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Reiseberichte und Geschichten über Joachimstein bei Radmeritz/Radomierzyce:

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Mein Vater kannte noch das Stift Joachimstein aus Kindheitstagen. Seine Familie unternahm einmal einen Tagesausflug von Rusdorf aus dorthin. Nun wollte er es noch einmal wiedersehen weil er von der Renovierung der Anlage hörte. Also fuhren wir von Grunau in Richtung Norden an Reutnitz vorbei bis Radmeritz, an dessen Ortsrand sich der Stift befindet. Der Zugang war aber für die Öffentlichkeit gesperrt, da das Schloß in Privatbesitz übergegangen ist. So blieb uns nur die Umrundung der Anlage auf dem mit alten Linden gesäumten Weg übrig. Dennoch fanden wir einen nicht versperrten Blick auf das frisch renovierte Schloß. Von da aus fuhren wir dann zurück bis Schönfeld.

Zur Geschichte von Stift Joachimstein:

Joachim Sigismund von Ziegler und Klipphausen auf Radmeritz, Niecha und Markersdorf, Kammerherr August des Starken, lud am 14. November 1728 die führenden Persönlichkeiten der Oberlausitz zur Weihe des von ihm begründeten "freyen weltlichen Adeligen Frauenzimmer- oder Fräulein-Gestiftes" ein. Auf dem Gelände des alten Radmeritzer Wasserschloßes im Winkel zwischen Neiße und Wittig gelegen, entstand hier unter Verwendung von Entwürfen der Dresdner Hofbaumeister Pöppelmann und Karcher eine der schönsten barocken Schloß- und Parkanlagen Sachens. Auf einer künstlichen Insel gelegen, umgeben von einem Wallgraben, führt eine Lindenallee als einzige Zufahrt zu der steinernen Brücke, hinter der das Hauptportal mit dem Wappen des Gründers den Besucher erwartet. Es folgt ein kleiner Vorhof mit der Stiftsschänke und dem Wirtschaftsgebäude zur Rechten sowie dem Forst- und Rentamte zur Linken. Den etwa 70 Meter langen Mittelteil nimmt eine Gartenanlage mit zahlreichen Hecken und Sandsteinfiguren ein. Den Abschluß der reichen altfranzösischen Gartenanlage bildet die prächtige Fassade des Stiftshauses mit dem Mittelbau und den zwei Seitenflügeln. Zu beiden Seiten runden zwei Gartenhäuser ähnlich denen des Dresdner Zwingers das Gesamtbild der Schloßanlage ab.

Da Ziegler unverheiratet geblieben war, beschloß er schon zu Lebzeiten, sein gesamtes Vermögen in einer wohltätigen Stiftung festzulegen. Die Satzungen von 1722 legen u.a. fest, daß eine Hofmeisterin und zwölf adlige Fräuleins, die unverschuldet in wirtschaftliche Not geraten waren, im Stift Aufnahme finden sollte. Sie mußten unverheiratet, evangelisch und in mindestens vier Generationen adliger Abstammung sein.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 mit der folgenden Neuordnung der Grenzen beendete die über 200jährige Geschichte des Stiftes. Die Stiftsdamen mußten ebenso wie die Bewohner der umliegenden Ortschaften ihre Unterkünfte verlassen. Die Kulturschätze wurden geplündert, die Gebäude dem Verfall preisgegeben.

Aus "Historischer Streifzug durch Ostritz und seine Dörfer" Tilo Böhmer, Marita Wolff

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Stift Joachimstein am 6.8.2005

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